
Backtechnik
Teil von Backöfen vergleichen: Etagenöfen, Konvektionsöfen und Dampfsysteme
Energieverbrauch von gewerblichen Backöfen: Kennzahlen und Kosten richtig einschätzen
Energieverbrauch Backöfen: kWh je Backvorgang, Gasverbrauch, Strompreise 2025 von 25 bis 40 ct/kWh netto, Beispielrechnungen für Etagen- und Konvektionsofen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Anschlusswert in Kilowatt beschreibt die maximale Leistungsaufnahme, nicht den Verbrauch.
- Gewerbliche Strompreise lagen im Jahr 2025 zwischen 25 und 40 Cent je Kilowattstunde netto, zuzüglich Mehrwertsteuer.
- In den Beispielrechnungen entfallen auf einen Backvorgang 5,18 Kilowattstunden beim Etagenofen und 2,4 Kilowattstunden beim Konvektionsofen.
- Bei Gasbeheizung entsprechen fünf Kilowattstunden Nutzwärme etwa 0,56 Kubikmeter Erdgas.
- Belastbare Kosten entstehen nur aus eigenen Zählerdaten über mehrere Wochen.
Anschlusswert und Verbrauch sind zwei verschiedene Größen
Ein Datenblatt nennt für den elektrisch beheizten Etagenbackofen MIWE condo e+ je nach Kammergröße Anschlusswerte von 2,8 Kilowatt bis 44 Kilowatt, dazu Schwadenapparate von 1,1 bis 10,5 Kilowatt. Diese Zahlen beschreiben die installierte Leistung bei Volllast. Im Betrieb taktet der Ofen, erreicht seine Nennleistung also nur zeitweise.
Der Verbrauch entsteht aus Leistung mal Zeit. Nur wenn ein Verbraucher eine Stunde lang mit konstanter Nennleistung läuft, entspricht ein Kilowatt genau einer Kilowattstunde. Beim Backen schwankt die Aufnahme mit Programm, Beladung und Umgebungstemperatur. Aus dem Anschlusswert lässt sich der Verbrauch deshalb nicht ableiten.
Bei Stikkenöfen liegen die Anschlusswerte deutlich höher. Für die Baureihe MIWE roll-in e+ nennt der Hersteller 50 bis 60 Kilowatt bei der Blechgröße 60 mal 60 Zentimeter und bis 95 Kilowatt bei 67 mal 108 Zentimeter. Doppelstikkenöfen sind mit 125 bis 140 Kilowatt angegeben.
Vergleichbare Produktdaten liefern die Hersteller selbst, etwa die Produktdaten von Wiesheu zu Backöfen und Schwadenfunktion. Diese Unterlagen nennen Leistungsaufnahme und Ausstattung. Gemessene Verbrauchswerte je Backvorgang finden sich dort selten.
Was Gewerbekunden 2025 für Strom und Gas zahlen
Das Statistische Bundesamt weist in seinen Erhebungen zu Strompreisen deutliche Unterschiede nach Verbrauchsgröße aus. Der BDEW veröffentlicht in seiner Strompreisanalyse durchschnittliche Beschaffungs- und Vertriebskosten je Kundengruppe. Die dena stellt Auswertungen und Kennzahlen zur Energieeffizienz bereit.
Für Bäckereien ergibt sich 2025 eine Arbeitspreisbandbreite von 25 bis 40 Cent je Kilowattstunde netto. Kleine Abnahmemengen liegen am oberen Rand, größere am unteren. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Der DIHK bündelt die energiepolitischen Rahmenbedingungen im Themenfeld Energie des DIHK.
Die folgende Tabelle ist eine Beispielrechnung auf Basis dieser Spanne, kein Tarifangebot.
| Abnahmefall | Arbeitspreis netto je Kilowattstunde | Mit Mehrwertsteuer |
|---|---|---|
| Kleiner Betrieb, unter 20.000 Kilowattstunden im Jahr | 32 bis 40 Cent | 38,08 bis 47,60 Cent |
| Mittlerer Betrieb, 20.000 bis 150.000 Kilowattstunden | 25 bis 31 Cent | 29,75 bis 36,89 Cent |
Jahreskosten ergeben sich aus Verbrauch in Kilowattstunden mal Arbeitspreis plus Grundpreis. Ein Betrieb mit 40.000 Kilowattstunden und 30 Cent zahlt 12.000 Euro netto im Jahr.
Erdgas liefert rund zehn Kilowattstunden je Kubikmeter. Für fünf Kilowattstunden Nutzwärme sind bei einem Wirkungsgrad von neunzig Prozent etwa 0,56 Kubikmeter nötig. Gas ist je Kilowattstunde meist günstiger als Strom, die Spanne hängt von Beschaffung und Netzgebiet ab.
Beispielrechnung für einen Etagenofen
Die folgenden Werte sind fiktiv und dienen der Veranschaulichung. Angenommen werden ein Etagenofen mit 4,2 Kilowatt Hochleistung und 1,1 Kilowatt Schwadenapparat, zwölf Backchargen an einem Tag, ein Zählerstand von 12.345,6 Kilowattstunden am Morgen und 12.408,9 am Abend. Die Differenz beträgt 63,3 Kilowattstunden.
Bei einer Stunde Schwadenzeit entfallen darauf 1,1 Kilowattstunden. Für das Backen bleiben 62,2 Kilowattstunden, geteilt durch zwölf Chargen sind das 5,18 Kilowattstunden je Backvorgang. Bei 30 Cent je Kilowattstunde netto kostet eine Charge 1,55 Euro netto, mit Mehrwertsteuer 1,85 Euro. Der Tagesverbrauch von 63,3 Kilowattstunden entspricht 18,99 Euro netto, also 22,60 Euro brutto. Bei 300 Backtagen im Jahr sind es 5.697 Euro netto, mit Mehrwertsteuer 6.779 Euro.
Beispielrechnung für einen Konvektionsofen
Auch diese Werte sind fiktiv. Ein Konvektionsofen mit sechs Kilowatt Anschlusswert backt zwanzig Chargen täglich. Der Zähler steigt von 8.100,0 auf 8.148,0 Kilowattstunden, also um 48 Kilowattstunden. Je Backvorgang sind das 2,4 Kilowattstunden.
Bei einem Arbeitspreis von 35 Cent netto kostet eine Charge 0,84 Euro netto. Der Tag kostet 16,80 Euro netto, mit Mehrwertsteuer 19,99 Euro. Über 300 Backtage summiert sich das auf 5.040 Euro netto oder 5.998 Euro brutto.
Der Vergleich beider Öfen gilt nur bei gleicher Backgutmenge. Ein Etagenofen backt auf kleinerer Fläche mehr Chargen, ein Konvektionsofen verteilt die Wärme im Umluftbetrieb.
Verbrauch messen und Fördermittel nutzen
Wer belastbare Zahlen braucht, protokolliert so:
- Zählerstand vor und nach jedem Backtag notieren.
- Chargen, Programme und Schwadenzeiten getrennt erfassen.
- Verbrauch über mindestens vier Wochen vergleichen.
- Auffällige Tage auf Beladung und Starttemperatur prüfen.
Vor der Anschaffung eines sparsamen Ofens lohnt der Blick in die Förder- und Beratungsangebote des BAFA zur Energieeffizienz. Ergänzend bündelt die KfW ihre Förderangebote für Energieeffizienz und Umweltschutz für Unternehmen. Anträge sind vor Vorhabenbeginn zu stellen, sonst entfällt der Zuschuss.
Häufige Fragen
Kann ich aus dem Anschlusswert meinen Verbrauch berechnen?
Nein. Der Anschlusswert ist die maximale Leistungsaufnahme. Den Verbrauch bestimmen Laufzeit und Last, die der Zähler erfasst. Für eine Kostenschätzung braucht man mindestens einen Monat Zählerdaten.
Sind Herstellerangaben zum Energiesparen wertlos?
Nein, sie belegen Ausstattungsmerkmale wie Wärmespeicherwand, Eco-Modus oder Schwadensteuerung. Der Kilowattstundenwert je Backvorgang fehlt jedoch meist.
Warum schwankt mein Verbrauch je Charge?
Programm, Beladung, Starttemperatur und Umgebungstemperatur verändern den Energieeinsatz. Deshalb über mehrere Wochen messen, nicht an einem einzelnen Tag.
Wie wirkt sich der Backpausenbetrieb aus?
Jede Warmhaltephase kostet Energie. Ein Eco-Modus senkt die Aufnahme, ein vollständiges Abschalten in längeren Pausen senkt sie stärker.
Reicht ein Tarifvergleich für die Kostenschätzung?
Nein. Der Arbeitspreis ist nur ein Faktor. Ohne Verbrauch in Kilowattstunden bleibt jede Jahreskostenschätzung unvollständig.



